„Neuer Anarchismus“ in den USA

(JPG) Die Proteste gegen das Treffen der Welthandelsorganisation in Seattle 1999 übten wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung gegenwärtiger US-amerikanischer Widerstandskultur aus. Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Entwicklung ist das Wiedererstarken einer anarchistischen Bewegung, die heute zu einem großen Teil die politische Dissidenz des Landes definiert.

Der Sammelband „Neuer Anarchismus“ in den USA präsentiert diese Bewegung anhand neunzehn individuell eingeleiteter und kommentierter Texte. Die Texte verbinden die Präsentation einflussreicher AutorInnen (Lorenzo Komboa Ervin, David Graeber, John Zerzan, Starhawk, Ward Churchill), Kollektive (CrimethInc., NEFAC, ALF/ELF) und Konzepte (Black Anarchism, Primitivismus, post-linke Anarchie, Postanarchismus, Freeganism) mit Darstellungen anarchistischer Alltagskultur (Evasion, Sascha Scatters Nachruf auf Brad Will) sowie Diskussionen um die Renaissance des Schwarzen Blocks (ACME-Kollektiv), Machoattitüden innerhalb der anarchistischen Szene (Rock-Bloc-Kollektiv), Segregationsprobleme sozialer Bewegungen (Elizabeth Martinez) und anarchistische Ökonomie (Michael Albert). Ein allgemeiner Einführungstext zur Geschichte des Anarchismus in den USA eröffnet den Band.

Am 21. Mai 2008 wird Gabriel Kuhn um 20 Uhr in der KTS im Rahmen seiner Lesereise das Buch vorstellen.

Mittwoch ⋅ 23. April 2008 ⋅ URL

Wir über uns

Wir haben unsere Selbstvorstellung überarbeitet und erweitert. Wenn ihr genauer wissen wollt, wer wir sind, was wir bisher so gemacht haben und für was wir kämpfen, lest den Text Wir über uns. Außerdem gibt es hier unser Flugblatt zum 1. Mai 2008.
Donnerstag ⋅ 17. April 2008 ⋅ URL

Die Gruppe News & Letters

Debatten über Krieg und Fundamentalismus in der US-amerikanischen Linken

Simple Bush-Schelte und Solidarisierung mit allem, was sich gegen die USA richtet, übertönen oft tiefer bohrende Theorie und Praxis der radikalen Linken (auch) in den USA. Dagegen richtet sich die Gruppe News & Letters, die v. a. in Chicago aktiv ist.

Der profane Name der Gruppe ist Programm: Seit ihrer Gründung im Zuge der wilden Streiks in der Automobilindustrie und dem Bus-Boykott gegen rassistische Segregation 1955 versucht sie, mit „Nachrichten und Briefen“ in einer gleichnamigen Zeitung Stimmen von unten Gehör zu verschaffen und zugleich abseits von Parteistrukturen in die Bewegungen zu intervenieren. Die Mitbegründerin Raya Dunayevskaya, eine Dissidentin des Trotzkismus, drückte der Gruppe zudem mit ihrer anspruchsvollen Anknüpfung an die Tradition des marxistischen Humanismus einen Stempel auf.

Dass die Gruppe eine Außenseiterrolle in der US-Linken spielt, mag auf den ersten Blick erstaunen; die Positionen von News & Letters sind nämlich trotz ihres für Manche schwer verdaulichen Hegelmarxismus an vielen Punkten anschlussfähig für die auch in der US-amerikanischen Linken populären Sozialforen, Antiglobalisierungs- und Antikriegsbewegungen. Doch dass die Gruppe Antiimperialismus und Antiamerikanismus kritisiert sowie auf der Verurteilung islamischen Fundamentalismus’ besteht, zeichnet sie doch negativ in den Augen ihrer Gegner und Gegnerinnen in der Linken aus.

Simon Birnbaum wird am 29. Juni um 20.00 Uhr in der KTS seine Übersetzung einer kleinen Sammlung von Texten der Gruppe vorstellen (News & Letters, Eingriffe, Unrast Verlag 2007). Darin geht es v. a. um ihre Positionen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 und zum Irak-Krieg,, damit aber auch um einen Einblick in zentrale linke Debatten in den USA in den ersten Jahren nach dem 11. September. Dabei spielen natürlich auch die hegelmarxistischen Grundlagen der Gruppe immer wieder ein Rolle. Letztlich wird es also mit der Buchvorstellung um einigen Sinn und Unsinn in jüngsten Debatten der US-amerikanischen Linken im Allgemeinen und des marxistischen Humanismus von News & Letters im Besonderen gehen.

Donnerstag ⋅ 13. März 2008 ⋅ URL

Das zapatistische Politikverständnis

Vortrag und Diskussion

Mit dem bewaffneten Aufstand vom 1. Januar 1994 trat die mexikanische Guerilla EZLN und mit ihr die Marginalisierung indigener Gemeinden ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit.

Den Kampf mit Waffen haben sie vorläufig eingestellt, doch bis heute kämpfen sie weiter mit Wort, Internet und allgemeiner Medienpräsenz. Die Zapatistas sind als so genannte postfordistische Medienguerilla zur Quelle der Motivation vieler linker Gruppen und Bewegungen auch in Europa geworden und wissen die Unterstützung der internationalen Zivilgesellschaft hinter sich.

Besonders bemerkenswert sind hierbei die politischen Forderungen der ZapatistInnen, die sich auf ein Politikverständnis beziehen, dass sich einerseits aus indigenen Formen des Zusammenlebens, andrerseits aus Ansätzen unterschiedlicher Revolutionstheorien speist. Schlagwörter wie „Eine Welt in der viele Welten Platz haben“ (das später von Attac übernommen wurde), „Fragend gehen wir voran“, „Alles für alle, für uns nichts“ und „Gehorchend befehlen“ spiegeln Elemente des zapatistischen Politikverständnisses wieder, die wir in diesem Vortrag vorstellen und diskutieren wollen. Darüber hinaus gehen wir auf die alltägliche Politik der ZapatistInnen, also die gelebte Praxis ein.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 3. Juni um 20 Uhr in der KTS statt

Dienstag ⋅ 22. April 2008 ⋅ URL

AnarchistInnen in der mexikanischen Revolution

Oder: Warum beziehen sich die Zapatistas auf Emiliano Zapata?

Wir wollen die Diskussion über das zaptistische Politikverständnis weiterführen und auf die historischen Wurzeln der mexikanischen Guerilla EZLN eingehen. Dabei spielen sozialrevolutionäre Bewegungen wie der Zapatismus oder der Magonismus der mexikanischen Revolution von 1910 eine große Rolle. Emiliano Zapata - Leitfigur und Mythos der sozialrevolutionären Bauernbewegung - verzichtete auf den Präsidentenstuhl, weil er seinen Platz bei den Kleinbauern sah. Die Durchsetzung der Landreform war ihm wichtiger, als eine Einbindung in parlamentarische Strukturen. Deshalb ist er zu einer wichtigen Bezugsfigur der ZapatistInnen von heute geworden, obwohl weder er noch die Landreform in Chiapas ankamen. Die ihm nachgesagte Forderung „Land und Freiheit“ findet sich auf Schildern in vielen zapatistischen Gemeinden wieder.

Eigentlich geht diese Parole aber auf den mexikanischen Anarchisten Ricardo Flores Magón zurück, der sich zusammen mit Emiliano Zapata der libertären Bewegung anschloss und für die kollektive Landbewirtschaftung und die Abschaffung der Regierung kämpfte.

Der Vortrag findet am Dienstag, den 10. Juni um 20 Uhr in der KTS statt.

Montag ⋅ 21. April 2008 ⋅ URL
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